Karl Weiser
Der österreichische Journalist und Chefredakteur der Salzburger Nachrichten (1965-1995) hatte 1981 einen hervorragenden Text über den Mensch und das Werk Karl Weisers verfasst. Diesen wollen wir an dieser Stelle auszugsweise wiedergeben.
"Bei dem akademischen Maler Karl Weiser ist das Werk so groß und breit, dass es notwendig wird, exemplarische Schöpfungen herauszugreifen. Um den Künstler zu verstehen, bedarf es aber der Beleuchtung des Menschen, seines Wesens, seines Glaubens, seiner Überzeugung."
Karl Weiser entstammt einer Salzburger Familie. Der Vater führte das Teppichhaus Karl Weiser in der Linzer Gasse, die Mutter kam aus der Optiker- und Uhrmacherfamilie Fischer, die vor mehr als 140 Jahren in Salzburg das Gewerbe aufnahm. Ein Mitglied der Familie hatte stets die Aufgabe, die jahreszeitlichen Melodien des Glockenspiels zu setzen. Diese Tradition übernahm später auf Karl Weiser, der am 15.7.1911 in Salzburg geboren wurde. Bis heute lebt diese Tradition des Setzen von Melodien in der Familie fort, da der Großvater Karl Weisers, der Uhrmacher Johann Baptist Fischer, im Jahr 1873 ein neues Uhrwerk im Salzburger Glockenspiel eingebaut hatte.
Als Karl Weiser im Fach Kunsterziehung maturierte, erhielt er eine Auszeichnung für "besonders hervorragende Leistungen". An der Akademie der Bildenden Künste in Wien wurde Karl Weiser Schüler des Professors Karl Sterrer. Normalerweise dauerte die allgemeine Malklasse vier Jahre, doch Sterrer nahm zwei der Schüler welche besonders begabt waren, nämlich Weiser und seinen Tiroler Jahrgangskollegen und Freund Max Weiler, schon nach dem dritten Studienjahr in die Meisterschule auf. Seine Meisterschüler Karl Weiser und Max Weiler wurden an der Akademie freundschaftlich die beiden "Wei-Wei" genannt. Beide kamen aus der katholischen Jugendbewegung "Bund Neuland" und wohnten im selben "Wiener Heim" in der Michaelerstrasse im 18. Bezirk. Dort hatte sich eine kleine Malerkolonie in den eher als Mönchszellen zu bezeichnenden Studentenbuden angesiedelt. Neben Weiser und Weiler wohnten hier auch Rudolf Szyskowitz, Albin Stranig, Karl Glatt und andere.
Karl Weiser erhielt schon früh Preise: 1932 den Akademiepreis, 1934 dein Meisterschulpreis, 1936 den akademischen Studienpreis und die Goldene Füger-Medaille für die beste Lösung der Aufgabe "Christus am Ölberg".
Schon in seiner Zeit an der Akademie der Bildenden Künste fiel Weiser durch seine konsequenten und künstlerischen Werke auf. Es gab die ersten großen Angriffe, öffentliche Auseindaresetzungen um Qualität und Art der Werke, heftige Pro und Kontra, die Weiser durch sein ganzes Schaffen immer und immer erlebte. So schrieb die "Reichspost" am 10. April 1935 folgendes: "Bedenklich ist nur, dass sich diese Originalitätssucht auf das Gebiet der religiösen Kunst begibt, und dass junge Talente- und Max Weiler und Karl Weiser sind starke Begabungen- Werke schaffen, die mit katholischer Auffassung nichts zu tun haben, umliturgisch sind und ihren geistigen Nährboden in asiatischer Philosophie haben. Man spricht immer von einer aus der Zeitgesinnung herauswachsenden Kunst und spottet über die Satilnachäfferei des 19. Jahrhunderts. Ja, es ist etwas anderes, wenn Weiser und Weiser ihre religiösen Kompositionen wie indische Tempelfogurn aufbauen oder die Haltung den hieratischen Stil der alten Ägypter kopieren! .....oder Weisers 'hl. Dreifaltigkeit' können wohl bei keinem religiös eingestellten Menschen auf Verständnis und Zustimmung rechnen."
Schon bald, nämlich am 2. Dezember 1936, schrieb selbiges Blatt bereits in ganz anderen Tönen: "Am reifsten in ihrer Art scheinen die beiden Starrer-Schüler Max Weiler und Karl Weiser, in zwei Landschaften bereits auf meisterhafter höhe, in ihren religiösen Bildern ernst ringend, kämpfend um die künstlerische Gestaltung religiöser Ideen." Die "Reichspost" gab 1937 bei der Ausstellung der Meisterschulen der Akademie Weiler und Weiser ein "besonderes Lob", Weiser für die "tiefempfundenen, ikonenhaften, religiösen Kompositionen."
1938 wurde Weiser der Rompreos der Akademie zugesprochen, doch er kam nicht zur Verleihung, denn sein Professor Sterrer wurde aus politischen Gründen von seinem Lehrstuhl entfernt.
Weiser kehrte 1938 nach Salzburg zurück und heiratete 1939 sein Frau Martha. Dieser Ehe entstammen sechs Kinder (Erentraut *1941 + 2018; Bernward *1944+, Wolfgang *1946, Adelheid *1949, Maria *1950, Johannes *1950+).
Karl Weiser engagierte sich kompromisslos in seiner Eigenschaft als Präsident der Berufsvereinigung der Bildenden Künste. So prangerte er vor allem die ungerechte Behandlung der Künstler in Österreichs Sozialstaat an. Weiser stellte sich selbst dem hohen Anspruch der Einheit von Kunst und Leben, die für ihn untrennbar miteinander verbunden sind, weil "die Kunst so ernst, so blutig, mitunter so dreckig, aber auch so schön ist wie das Leben."
1965 wurde Karl Weiser der Titel "Professor" vom Österreichischen Bundespräsidenten verliehen.
Am 18.11.1988 starb Karl Weiser im Alter von 77 Jahren in seinem Zuhause, der Berchtoldvilla in Salzburg.
